Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. (Joh. 14:15)

Vor einiger Zeit sprach ich mit einem Mann, der seine Gemeinde ohne große Ankündigung verlassen hatte, mit dessen Begründung, sie sei zu liberal, zu wenig gesetzestreu.

Diesem Glaubensbruder, der sein Leben dem Herrn Jeschua vor vielen Jahren übergeben hatte, war die Einhaltung der Mitzwot (Gesetze, Weisungen), wie wir sie aus dem Tenach kennen, extrem wichtig. Ein anderer Glaubensbruder verließ die gleiche Gemeinde kurz darauf. Er erzählte mir, seine Entscheidung basierte darauf, dass diese Gemeinde zu „gesetzlich“ sei. Immer wieder würde nur über das Einhalten von Geboten gepredigt und gelehrt, und zu wenig von der Gnade Gottes. Wie ist so etwas möglich. Wer „hat recht“? Muss das eine (Gesetz) das andere (Gnade) ausschließen?

Es ist falsch, von der “billigen Gnade“ im messianischen Judentum oder im Christentum zu sprechen, nur weil wir Erlösung durch die Gnade Gottes erleben dürfen, wenn wir unsere Sünden bekennen und unser Leben dem jüdischen Messias Jeschua anvertrauen. Wir dürfen uns erfreuen und uns glücklich schätzen, dass wir als Sünder von Gott begnadigt werden, dass unsere Schuld mit dem Blut seines Sohnes bezahlt worden ist.

Immer wieder ist die Rede von den 613 Mitzwot im Tenach. In einer amerikanischen Referenzbibel werden 1050 Gebote in der Brit Chadaschah (NT) aufgelistet, die nach dem vorliegenden Vers von denen, die Jeschua lieben, gehalten werden. Der Unterschied, der zwischen dem alttestamentlichen Judentum als einer Religion des Gesetzes und dem neutestnamentlichen Glauben als einer Religion der Liebe und Gnade gemacht wird, ist also völlig unbegründet. Sowohl im Tenach als auch in der Brit Chadaschah ist der biblische Glaube auf die Liebe und auf das Gesetz, auf Barmherzigkeit bzw. Gnade und auf Gerechtigkeit gegründet; so war es immer und so wird es immer sein.

Der Gott von Abraham, Isaak und Jakob ist nicht nur ein liebender Gott, sondern auch ein gerechter. Er gab uns Mitzwot, um uns erkennen zu helfen, was Ihm gefällt und um uns das Leben auf Erden einfacher zu gestalten. Ist es so schwer, Ihm unsere Dankbarkeit für unsere Begnadigung dadurch auszudrücken, indem wir uns an Seinen Mitzwot orientieren und Ihm so unsere Liebe zeigen?