Heute möchte ich nicht viel über das eigentliche Fest Purim, sondern über Haman sprechen. Wo kam eigentlich Haman her? In der Heiligen Schrift erwähnt das Buch Ester, dass Haman der Sohn des Hammedatas, Agagiter ist. Aber wenn wir seinem Stammbaum sorgfältig erforschen, sehen wir, dass er ein Nachkomme von Agag, dem König der Amalekiter war.

Ich möchte über die Amalekiter reden. Wo kam Amalek her?

Denken wir an die Geschichte von Esau und Jakob. Sie sind zwei Brüder, Zwillinge, aber Esau ist ein wenig, nur wenige Minuten, älter. Er besitzt das Erstgeburtsrecht seines Vaters. Aber er interessiert sich überhaupt nicht dafür. Es kümmert ihn nicht. Die Schrift erzählt uns, dass er die ganze Zeit bei der Jagd und Unterhaltung verbrachte. Und Jakob – sein Bruder liebt es zu Hause, nicht weit von seiner Mutter, zu leben und zu kochen. Eines Tages, als Esau hungrig vom Feld nach Hause kommt und nach einer Mahlzeit verlangt, bietet Jakob ihm sein Erstgeburtsrecht im Tausch gegen Essen zu verkaufen. Wozu braucht Esau in diesem Augenblick das Erstgeburtsrecht, wenn er großen Hunger hat?! Und so verkauft Esau, der ältere Bruder, sein Erstgeburtsrecht für Brot und Linsengericht.

Purim-obsh08 130Die Zeit vergeht, und Isaak, ihr Vater, erklärt Esau, dass es Zeit wird, ihn zu segnen, weil er schon alt ist, und den Tag seines Todes nicht weiß. Als ihre Mutter Rebekka alles hört, überredet sie Jakob den Segen betrügerisch statt Esau zu erhalten.

Als der ganze Betrug ans Licht kommt, spricht Isaak zu seinem ältesten Sohn, und sagt, dass er kein Segen mehr für Esau hat. „Esau sprach zu seinem Vater: Hast du denn nur einen Segen, mein Vater? Segne mich auch, mein Vater! und hob auf seine Stimme und weinte. Da antwortete Isaak, sein Vater, und sprach zu ihm: Siehe da, du wirst eine Wohnung haben ohne Fettigkeit der Erde und ohne Tau des Himmels von obenher. Von deinem Schwerte wirst du dich nähren und deinem Bruder dienen. Und es wird geschehen, dass du auch ein Herr sein und sein Joch von deinem Halse reißen wirst. Und Esau war Jakob gram um des Segens willen, mit dem ihn sein Vater gesegnet hatte, und sprach in seinem Herzen: Es wird die Zeit bald kommen, da man um meinen Vater Leid tragen muss; dann will ich meinen Bruder Jakob erwürgen. (1.Mose 27:38-41)

Für uns heute spielt das Erstgeburtsrecht keine Rolle. Niemand von uns hat einen Thron, den er seinem Erstgeboren hinterlassen könnte. Damals ist es als das größte Privileg betrachtet worden. Der erste Sohn vererbte alles, was nach seinem Vater geblieben war. Esau hat es alles und auch den Segen seines Vaters verloren. Er bekommt wilden Hass gegen seinen Bruder Jakob.

Aus der Schrift kennen wir den weiteren Verlauf dieser Geschichte. Jakob rannte weg, wanderte, und lebte 21 Jahre nicht in seinem eigenen Land. Und als er nach vielen langen Jahren nach Hause zurückkehrte, war Esau der Erste, der ihn entgegenkam. Jakob war furchtbar erschrocken, weil er wusste, dass Esau ihn töten wollte. Aus der Schrift wissen wir, dass dies nicht passierte.

Also, von diesem Esau kam Amalek her. Er war sozusagen ein Urenkel von Esau. Und die Bibel zeigt uns eine merkwürdige Sache: der Hass zwischen den Nachkommen von Esau und Jakob ist bis heute noch nicht beendet.

Es ist schrecklich, wenn ein Bruder seinen Bruder hasst. Als Abel mit Kain lebte, und ihm nichts Falsches machte, hasste Kain ihn einfach so. Und Kain konnte nicht ruhig leben, essen, trinken, bis er seinen Bruder nicht tötete.

Hier ist das gleiche Bild. Und einige jüdische Weise schreiben, dass alles, was Esau von Macht, Reichtum und egal welchen Höhen erreichen kann, ihm kein Glück bringt, solange die Söhne Jakobs auf der Erde leben.

Ein Midrasch erzählt, dass Esau sein Enkel Amalek rief und zu ihm sprach: „Ich versuchte viele Male Jakob zu töten, aber es gelang mir nicht. Versuch dich für mich zu rächen.“ All diese Dinge wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Und Amalek fragte ihn: „Aber wenn du ihn nicht zerstören konntest, wie kann ich ihn überwinden?“ Und dann gibt ihm Esau ein Ratschlag: „Wenn du siehst, dass Israel einen Fehler macht oder in eine schwierige Lage kommt, greif ihn in diesem Augenblick an.“

Als unser Volk aus Ägypten auszog und sich in das Land Eretz Israel bewegte, waren die Amalekiter die Ersten, die ihm über den Weg kamen. Und als die Juden zu dem Berg Sinai kamen, um die Tora zu erhalten, waren die Nachkommen von Amalek die Ersten, die sie angriffen.

„Da kam Amalek und stritt wider Israel in Raphidim. Und Mose sprach zu Josua: Erwähle uns Männer, zieh aus und streite wider Amalek; morgen will ich auf des Hügels Spitze stehen und den Stab Gottes in meiner Hand haben. Und Josua tat, wie Mose ihm sagte, dass er wider Amalek stritte. Mose aber und Aaron und Hur gingen auf die Spitze des Hügels. Und wenn Mose seine Hand emporhielt, siegte Israel; wenn er aber seine Hand niederließ, siegte Amalek. Aber die Hände Mose’s wurden schwer; darum nahmen sie einen Stein und legten ihn unter ihn, dass er sich daraufsetzte. Aaron aber und Hur stützten ihm seine Hände, auf jeglicher Seite einer. Also blieben seine Hände fest, bis die Sonne unterging. Und Josua dämpfte den Amalek und sein Volk durch des Schwertes Schärfe.“ (2.Mose 17:8-13)

Israel gewann, weil Mose den ganzen Tag seine Hände zum Himmel hob. Das ist eine erstaunliche Geschichte. Die Amalekiter wurden geschlagen, aber sie sind nicht gestorben. Die Schrift spricht zu uns durch Mose, der das Volk lehrt und sagt, dass die Menschen sich immer wieder daran erinnern sollen, wie Amalek mit ihnen umging. „Und der Herr sprach zu Mose: Schreibe dieses zum Gedächtnis in ein Buch, und lege in die Ohren Josuas, dass ich das Gedächtnis Amaleks gänzlich unter dem Himmel austilgen werde.“ (2.Mose 17:14)

Aber Gott sprach nicht einfach so. Gott wusste, dass wenn du nichts im Bezug auf Amalek unternehmen wirst, wenn du ihn nicht zerstörst, wird er früher oder später, warten, bis du schwach wirst, und wird dann kommen, um dich zu schlagen.

Dies ist, was auch an Purim geschah.

Als ich diese Stelle nochmal las, merkte ich, dass es im 5. Buch Mose, sowie in der ganzen Tora, keine Fragezeichen gibt. In der gleichen Weise, wie bei allen Geboten und Satzungen, und den Zehn Geboten. Es gibt dort keine Fragezeichen, die sagen, dass wenn du willst oder wenn es dir gelingt… Es gibt kein wenn und aber.

Alles, was dort geschrieben steht, ist ein Gebot. Aber Israel erfülle dieses Gebot nicht. Und der Herr kam wieder und sprach durch den Propheten Samuel zu Saul, dem ersten König von Israel: „Nun ziehe hin und schlage Amalek, und verbannet alles, was er hat, und schone seiner nicht; und töte vom Manne bis zum Weibe, vom Kinde bis zum Säugling, vom Rinde bis zum Kleinvieh, vom Kamel bis zum Esel.“ (1.Sam 15:3)

Er ging hinaus und schlug die Amalekiter, und nahm ihnen alles weg, was sie hatten. „Und er ergriff Agag, den König der Amalekiter, lebendig; und das ganze Volk verbannte er mit der Schärfe des Schwertes. Und Saul und das Volk verschonten Agag und das Beste vom Klein- und Rindvieh und die Tiere vom zweiten Wurf und die Mastschafe und alles, was gut war, und sie wollten sie nicht verbannen; alles Vieh aber, das gering und schwächlich war, das verbannten sie. Da geschah das Wort des Herrn zu Samuel also: Es reut mich, dass ich Saul zum König gemacht habe; denn er hat sich hinter mir abgewandt und hat meine Worte nicht erfüllt. Und Samuel entbrannte und schrie zum Herrn die ganze Nacht. (1.Sam 15:8-11)

Aber es gibt noch eine andere Geschichte, die Amalek und König Saul betrifft. Warum rede ich eigentlich über Saul? Weil die Königin Esther und auch ihr Onkel Mordechai direkte Nachfahren von König Saul sind.

Aber was geschah mit ihm? Ich möchte, dass wir das erste Kapitel des 2. Buch Samuels aufschlagen. Es war ein Krieg mit den Philistern, und Saul konnte sie nicht besiegen. Sie schlugen das Heer von Saul. Und in dieser Zeit besiegte David die Amalekiter, und kehrte zurück aus dem Krieg von der anderen Seite. Saul beschließt Selbstmord zu begehen, um die Kapitulation zu vermeiden.
Und wir lesen weiter im (2.Sam 1:2-15): “Und es geschah am dritten Tage, siehe, da kam ein Mann aus dem Heerlager Sauls, seine Kleider waren zerrissen, und Erde war auf seinem Haupte; und als er zu David kam, fiel er zur Erde und warf sich nieder. Und David sprach zu ihm: Woher kommst du? Und er sprach zu ihm: Ich bin aus dem Heerlager Israels entronnen. Und David sprach zu ihm: Wie steht die Sache? berichte mir doch. Und er sagte: Das Volk ist aus dem Streit geflohen, und auch viele von dem Volke sind gefallen und gestorben, und auch Saul und sein Sohn Jonathan sind tot. Und David sprach zu dem Jüngling, der ihm berichtete: Wie weißt du, dass Saul und sein Sohn Jonathan tot sind? Und der Jüngling, der ihm berichtete, sprach: Ich geriet zufällig auf das Gebirge Gilboa, und siehe, Saul lehnte sich auf seinen Speer; und siehe, die Wagen und die Reiter setzten ihm hart nach. Und er wandte sich um und sah mich und rief mir zu, und ich sprach: Hier bin ich. Und er sprach zu mir: Wer bist du? Und ich sprach zu ihm: Ich bin ein Amalekiter. Und er sprach zu mir: Tritt doch her zu mir und töte mich, denn die Verwirrung hat mich ergriffen; denn mein Leben ist noch ganz in mir! Da trat ich zu ihm hin und tötete ihn, denn ich wusste, dass er seinen Fall nicht überleben würde. Und ich nahm das Diadem, das auf seinem Haupte, und die Armspange, die an seinem Arme war, und habe sie zu meinem Herrn hierher gebracht. Da fasste David seine Kleider und zerriss sie; und alle Männer, die bei ihm waren, taten ebenso. Und sie klagten und weinten und fasteten bis an den Abend um Saul und um seinen Sohn Jonathan und um das Volk des Herrn und um das Haus Israel, weil sie durchs Schwert gefallen waren. Und David sprach zu dem Jüngling, der ihm berichtete: Woher bist du? Und er sprach: Ich bin der Sohn eines amalekitischen Fremdlings. Und David sprach zu ihm: Wie hast du dich nicht gefürchtet, deine Hand auszustrecken, um den Gesalbten des Herrn zu verderben? Und David rief einen von den Knaben und sprach: Tritt herzu, falle über ihn her! Und er erschlug ihn, und er starb.“

Eigentlich ist diese Geschichte für uns heute sehr seltsam. Aber was wichtig ist zu beachten: Saul bat seinen Waffenträger ihn zu erstechen, aber der wagte es nicht, weil Saul von Gott gesalbt wurde. Außerdem, als Saul David verfolgte, hatte David mehrmals die Gelegenheit ihn zu töten. Aber er wagte es nicht, weil er wusste, wer Saul war.

Aber wissen Sie, was für David und Sauls Waffenträger wichtig war, hatte überhaupt keine Bedeutung für die Amalekiter. Es war der Zweck seines Lebens: warten, bis Israel schwach wird, bis Saul schwach wird, um ihn zu erledigen…

Warum brauchte Haman es, alle Juden zu töten? Anfangs wusste er noch nicht einmal, dass Mordechai ein Jude war. Und plötzlich erzählte man es ihm. Und das alles, was in seinen Vorfahren war, entzündete sich plötzlich in ihm: “Aber er war in seinen Augen verächtlich, die Hand an Mordechai allein zu legen; denn man hatte ihm das Volk Mordechais kundgetan. Und Haman suchte alle Juden, die im ganzen Königreiche des Ahasveros waren, das Volk Mordechais, zu vertilgen.“ (Est 3:6)

Wir wissen, dass Haman 10 Söhne hatte, und das ist schon der Beginn der nächsten Generation. Auch Esau hatte 10, und Jakob 12 Söhne. Haman war sich sicher, dass nur jetzt seine Zeit kam, und er eine Chance hatte. Es war ihm egal, wie viele Juden inm Reich des Königs Ahasveros lebten (es ist bekannt, dass es ca. 4 Millionen Juden waren). Das war keine kleine Menge. Dort waren auch Frauen und Kinder. Aber das kümmerte ihn nicht. Dieser Hass saß in ihm seit seiner Geburt. Vielleicht wusste er nicht so viel über die Juden, aber er kannte seinen Ziel und seine Bestimmung.

Ein weiterer Held des Buches Esther, der so weiß und flauschig schien, ist der König Ahasveros. Er sieht in dieser Geschichte seltsam aus. Jedem, der ihm etwas sagt, glaubt er. Aber ich fragte mich, was es für eine Persönlichkeit, für ein König war, den wir mehr in der Geschichte als Xerxes – den Sohn des Darius – kennen.

Tatsächlich war er überhaupt nicht weiß und flauschig, sondern einer der blutrünstigsten Könige. All dies fand in Susa statt. Er war einer der reichsten Könige der damaligen Zeit, ein Nachkomme von Nebukadnezar. Und wenn der König jemanden mit einem strengen Blick ansah, wurde der Mensch dann genommen und getötet, weil er aus der Gunst des Königs fiel. Alles war nicht so einfach. Die volle Verantwortung für alles, was dann in seinem Reich mit den Juden passierte, würde Haman in jedem Fall auf den König legen. Und die Argumente, die Haman verwendet, waren überhaupt keine Argumente. Welche Art von Argumentation ist das – nicht das Volk?

Wir wissen, dass am Ende alles gut ging, und heute können wir springen und feiern. Die jüdischen Weisen haben vor langer Zeit gesagt, dass obwohl Haman verloren hat, seine Söhne aufgehängt wurden, und die Juden alle seine Feinde getötet haben, lebt der Fall von Haman bis zum heutigen Tag. Und nun kommen immer wieder verschiedene Hamans und Amaleks.

Als 1944 die deutsche Armee den Krieg verlor, gab es eine Krise und es war kein Geld mehr da. Die Heeresleitung verlangte für Armee von Hitler die Züge, die er benutzte, um die Juden in die Konzentrationslager zu transportieren. Aber trotz aller Überzeugungskraft verweigerte Hitler es. Es ist absolut unlogisch. Aber so ist das Wesen des Hamans und Amaleks.

Dieser Hass geht weiter und weiter. Amalek greift uns nicht nur von außen an, denn er schlich sich auch ins Herz des Menschen. Und damit kann man schon nichts mehr machen. Rambam sagte, dass der einzige Zeitpunkt, in dem der Amalek, der in uns lebt, vernichtet wird, nur dann ist, wenn der Messias kommt.

Und noch eine Passage aus dem Evangelium: „Und er trat in das Schiff, und seine Jünger folgten ihm. Und siehe, da erhob sich ein großes Ungestüm im Meer, also dass auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward; und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm und weckten ihn auf und sprachen: HERR, hilf uns, wir verderben! Da sagte er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? Und stand auf und bedrohte den Wind und das Meer; da ward es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das für ein Mann, dass ihm Wind und Meer gehorsam ist?“ (Mt 8:23-27).

Mit anderen Worten, sagt Jeschua zu ihnen: „Warum erlaubt ihr dem Amalek in euch zu wirken? Eines der Ziele des Messias ist Amalek für immer zu zerstören. Und der Messias sagte zu seinen Jüngern, die das Evangelium über die ganze Welt verbreiteten: „Schaut mich an, wie ich handle, und seid nicht zweifelhaft. Gott wird euch niemals verlassen.“ Der Messias Israels litt gerade dafür, dass diese Amalekiter (innere und äußere) keine Bedrohung für Sie oder für mich darstellen. Wenn Sie mit Gott sind, hat Amalek keinen Platz in Ihrem Leben, in Ihrem Herzen. Aber wenn Sie eine Schlacht gegen Amalek mit ihren eigenen Kräften beginnen, ist ihr Kampf bereits verloren.

Als Moses seine Hände emporhielt, dachten die Amalekiter wohl, dass er sich ergibt. Und er ergab sich wirklich, aber nur vor Gott.

Und ich wünsche, dass wir nicht aus eigener Kraft und mit unserem Verstand handeln, sondern durch den Heiligen Geist unsere Hände zum Himmel emporheben, uns vor Gott ergeben, damit Er in uns wirken kann.
Amen.

Dimitriy Siroy